Digitale Brieftasche für den B2B-Bereich
Viele nutzen eine digitale Brieftasche längst im Alltag – für Tickets, Karten oder Zahlungen.
Im Unternehmensumfeld bekommt das Thema gerade eine neue Dynamik: Die digitale Brieftasche kann Identitäten, Berechtigungen und Nachweise so bereitstellen, dass sie sich sicher und nachvollziehbar in interne Prozesse einfügen. Das wird in den nächsten Jahren noch wichtiger, nicht zuletzt durch eIDAS 2.0 und dem offiziellen EUDI-Wallet, das ab dem 1. Januar 2027 in Deutschland verfügbar sein soll.
In diesem Beitrag zeigen wir dir, was eine digitale Brieftasche im B2B konkret leistet, welche Use Cases sich in der Praxis eignen und worauf es bei der Einführung ankommt.
Was ist eine Digitale Brieftasche?
Eine digitale Brieftasche (Wallet) ist ein sicherer Speicher und Container für digitale Nachweise. Dazu gehören Identitätsdaten, Berechtigungen, Zertifikate und Nachweise, die Personen oder Organisationen vorzeigen können: gezielt, nachvollziehbar und in vielen Fällen rechtssicher.
Im B2B geht es typischerweise um:
Digitale Mitarbeiterausweise (z. B. Zutritt, Rollen, Funktionen)
Zugriffsberechtigungen auf interne Systeme und Anwendungen
Nachweise über Schulungen, Qualifikationen und Zertifizierungen
Digitale Signaturen, auch als qualifizierte elektronische Signatur (QES)
Elektronische Siegel für Organisationen (Integrität & Herkunft)
Wichtig ist: Im Unternehmen zählt nicht nur, dass es funktioniert, sondern Vertrauen, Interoperabilität und Rechtskonformität muss darüber hinaus gewährleistet sein.
Vier Gründe für Unternehmen, eine digitale Brieftasche zu nutzen
1. Effizienz: weniger Medienbrüche, weniger Reibung
Onboarding, Rollenwechsel, Freigaben oder Lieferantenprüfung: Überall dort entstehen heute manuelle Schritte, E-Mail-Pingpong und Copy-Paste.
Eine digitale Brieftasche macht Nachweise direkt nutzbar, ohne dass Teams ständig Daten abtippen, PDFs ablegen oder Ausweise prüfen müssen.
Die Vorteile davon liegen auf der Hand:
- schnellere Durchlaufzeiten
- weniger Fehler
- weniger Abstimmungsschleifen zwischen Fachbereich und IT
2. Sicherheit: Kontrolle über Daten statt Datenwildwuchs
Eine digitale Brieftasche unterstützt das Prinzip: Nur das teilen, was wirklich nötig ist. Statt komplette Dokumente zu verschicken, können Nutzer einzelne Nachweise selektiv vorlegen.
Moderne Wallet-Ansätze kombinieren das mit starker Authentifizierung (z. B. biometrisch, eID, Smart-eID) und verschlüsselter Speicherung.
Das hilft besonders bei:
- sensiblen Personal- und Identitätsdaten
- Zugängen zu kritischen Systemen
- regulatorischen Anforderungen (Nachvollziehbarkeit, Schutzbedarf)
3. Vertrauen: digitale Nachweise werden überprüfbar
Im B2B zählt, ob ein Nachweis echt ist und ob er zur richtigen Person oder Organisation gehört. Die digitale Brieftasche lässt sich mit Vertrauensdiensten verbinden, zum Beispiel:
- QES für rechtswirksame Unterschriften
- elektronische Siegel für organisationsseitige Herkunft und Integrität
Das ist ein Hebel für Compliance, Audits und grenzüberschreitende Prozesse.
4. Skalierung: klein starten, sauber ausrollen
Unternehmen müssen nicht „alles Wallet“ machen. Gute Wallet-Projekte starten mit einem klaren Use Case und wachsen dann – über Standards und APIs – in weitere Bereiche hinein
(HR, ERP, IAM, Kundenportale, Partner-Ökosysteme).
Du planst dein eigenes Wallet anzubieten? Hier findest du weitere Informationen.
Die wichtigsten Use Cases für die digitale Brieftasche im Unternehmen
Use Case 1: Digitales Onboarding mit Wallet-Nachweisen
Neue Mitarbeitende erhalten Identitäts- und Rollenattribute direkt in die digitale Brieftasche. Das beschleunigt:
- Systemzugänge
- Berechtigungsrollen
- Zutrittsrechte
- Schulungsnachweise
Use Case 2: Zugangskontrolle und Rollenmodelle
Statt Ausweisen und Listen greifen Unternehmen auf aktuelle, prüfbare Berechtigungen aus der digitalen Brieftasche zu.
Rollen lassen sich zeitlich begrenzen oder an Bedingungen knüpfen.
Use Case 3: Lieferanten- und Partnerprüfung
Zertifikate, Compliance-Nachweise oder Qualifikationen werden per Wallet bereitgestellt und automatisiert geprüft.
Das reduziert Reibung in Ausschreibungen und Partner-Onboarding.
Use Case 4: Organisationsnachweise mit elektronischem Siegel
Wenn Organisationen Dokumente oder Daten ausgeben, zählt die Frage: „Kommt das wirklich von euch?“
Ein elektronisches Siegel beantwortet genau das.
Use Case 5: Digitale Signaturen (QES) per Wallet
Ein sehr praxisnaher Einstieg ist die QES über die digitale Brieftasche. Mitarbeitende erhalten eine Signaturberechtigung,
authentifizieren sich stark und unterschreiben dann rechtssicher – direkt aus dem Prozess heraus.
Erfolgsstrategien für die Einführung einer digitalen Brieftasche
- Use Cases priorisieren statt „Wallet für alles“
Startet nicht mit der großen Vision, sondern mit einem klaren Anwendungsfall, der messbar ist und in einem Prozess wirklich spürbar entlastet. Besonders gut eignen sich dafür Signaturen in Freigabe Workflows, Zugangskontrollen oder das Onboarding und Offboarding, weil dort heute oft manuelle Schritte, Medienbrüche und Wartezeiten entstehen. Wenn ihr hier sauber ansetzt, bekommt ihr schnell belastbare Ergebnisse und ein internes Momentum für die nächsten Schritte.
Vertrauensdienste von Anfang an mitdenken
Im B2B entscheidet am Ende nicht nur die Nutzererfahrung, sondern auch, ob das Ganze rechtlich und auditfähig ist. Deshalb lohnt es sich, früh zu klären, welche Nachweise qualifiziert sein müssen, welches Identitätsniveau ihr tatsächlich braucht und wie Siegel und Signaturen in eure Abläufe integriert werden. Wer das erst am Ende „dranbaut“, landet oft bei Umwegen, Doppelarbeit oder Lösungen, die im Ernstfall nicht standhalten.
Akzeptanz entsteht durch gute User Flows
Eine digitale Brieftasche scheitert selten an der Technik, sondern daran, wie sie sich im Alltag anfühlt. Akzeptanz entsteht, wenn die Schritte logisch sind, der Aufwand klein bleibt und Sonderfälle sauber gelöst sind. Das klappt am besten mit kurzen Schulungen anhand echter Szenarien, klaren Regeln, wann die Wallet genutzt wird, und einem Support Pfad für typische Situationen wie Gerätewechsel, Wiederherstellung oder Rollenwechsel. Wenn diese Punkte sitzen, wird die Wallet nicht als Zusatzaufgabe wahrgenommen, sondern als Erleichterung.
Zukunftssicherheit durch offene Standards und EUDI Kompatibilität
Achtet darauf, dass eure Lösung auf offenen Standards basiert und euch langfristig nicht einsperrt. Das ist besonders wichtig, wenn ihr euch am EUDI Wallet orientiert und später interoperabel bleiben wollt, etwa bei Partnern, Behörden oder grenzüberschreitenden Prozessen. Eine saubere Standardbasis reduziert späteren Migrationsaufwand und hält euch flexibel, auch wenn sich Rahmenbedingungen und Ökosysteme weiterentwickeln.
Praxisbeispiel: Qualifizierte Signaturen über die digitale Brieftasche
Viele Unternehmen starten mit der digitalen Brieftasche dort, wo der Business Value sofort sichtbar ist: Verträge, Freigaben, Nachweise.
Ein typischer Ablauf:
Mitarbeitende erhalten eine Signaturberechtigung (Wallet-basiert)
Authentifizierung erfolgt stark (z. B. Video-Ident, eID, Smart-eID – abhängig vom Setup)
Die Signatur wird in den Prozess integriert (z. B. Vertragsplattform, ERP-Workflow, Dokumentenmanagement)
Ergebnis: rechtssichere Unterschrift, weniger Wartezeit, weniger manuelle Schritte
Der Effekt zeigt sich schnell: weniger Medienbrüche, weniger Nachfragen, bessere Nachvollziehbarkeit.
Fazit
Die digitale Brieftasche wird im B2B zum Werkzeug für sichere digitale Identitäten, überprüfbare Nachweise und effiziente Prozesse. Unternehmen, die heute mit klaren Use Cases starten und auf Standards setzen, bauen sich eine Basis, die mit eIDAS 2.0 und dem EUDI-Wallet mitwachsen kann.
FAQ
Was ist eine digitale Brieftasche im Unternehmenskontext?
Eine digitale Brieftasche ist ein sicherer Speicher für digitale Nachweise wie Identitäten, Rollen, Zertifikate, Berechtigungen und Signaturen, die im B2B gezielt vorgezeigt und geprüft werden können.
Wofür nutzen Unternehmen eine digitale Brieftasche?
Typisch sind Onboarding, Zugangskontrolle, Partner- und Lieferantenprüfung, Schulungsnachweise sowie qualifizierte Signaturen (QES) und elektronische Siegel.
Was ist der beste erste Use Case?
Oft sind Signaturprozesse (QES) oder Zugangskontrollen die besten Einstiege, weil der Nutzen schnell messbar wird und Prozesse direkt schlanker laufen.